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Dieser österreichische Gartenblog beinhaltet Gartentipps für Blumen, Gemüse und Gärtnern im Topf, interessante Buchvorstellungen und Einblicke in Salzburgs unvergleichliche Natur.

Sonntag, 4. Juli 2010

Ferne Länder Mongolei: 13.8. bis 28.8.2007

Fotos auf Picasa


Reisebericht

Mitte August geht es in die Mongolei, eine Reise, die sich für mich persönlich sehr spontan ergeben hat. Mein Freund fährt bei der "Mongolrallye" mit und ich stand ziemlich plötzlich vor der Frage, was soll ich diesen Sommer außer Arbeiten bloß tun? Die Entscheidung in die Mongolei nachzufliegen und dort für zwei Wochen gemeinsam mit unserem Freund Robert den Urlaub zu verbringen, fiel von einem Tag auf den anderen, ohne viel Planung.

Bereits eine Woche nach dem Entschluss Mitte März hatten wir die Tickets gekauft und ein Hostel gebucht. Mittlerweile haben wir auch die Visa in der Tasche. In diesem Sinne möchte ich mich auch ganz herzlich bei Robert für das vorbezahlen des Fluges bedanken, als auch bei Jakob, beide haben mir die Finanzierung der Reise sehr erleichtert.

Auch meiner Mama und Tante einen großen Dank - beide haben mich mit dem nötigen Reise- Equipment ausgestattet, angefangen vom Rucksack bis zur Trinkflasche und Trekkinghose.

Was sind meine bisherigen Eindrücke im Zusammenhang mit der Mongoleireise, der Rallye usw.? Mein gesamter Freundeskreis steht der Sache sehr positiv gegenüber, dennoch musste ich auch schon die Erfahrung machen, dass es manche Männer auch noch im Jahre 2007 nicht ernst nehmen bzw belächeln sowie ignorieren, wenn man als Frau eine Trekking-Reise macht bzw. selbstbewusst und eigenständig durchs Leben geht, anscheinend ist ein solch bodenständiges Verhalten in einigen Gesellschaftskreisen nicht üblich. Nachdem ich mich anfänglich sehr darüber geärgert hatte, bin ich zur Erkenntnis gekommen, solche Sachen sind es nicht wert nur einen einzigen Gedanken darüber zu verschwenden, man sollte sich von sowas nicht entmutigen lassen noch an sich selbst zweifeln.

Nun dauert es noch ca. eineinhalb Monate bis die Reise losgeht, ich bin schon sehr gespannt, was bis dahin noch alles passiert. Auch wird es bereits immer interessanter zu planen, was man dort alles unternehmen könnte. Meine persönlichen Fixpunkte sind jedenfalls die Ruinenstadt Kharakorum (ehemalige Hauptstadt des Dschingis Khan Reiches) sowie die Klosteranlage Erdene Zuu!

Ulan Bator (Hauptstadt der Mongolei) selbst bietet viele Museen und ist wohl eine Stadt über die man sich sehr schwer ein Bild machen kann, da die Berichte darüber oft sehr kontrovers sind.

Die letzte Woche vor dem Abflug wurde ich natürlich immer nervöser, Robert blickte allem sehr gelassen entgegen. Am Samstag (11. August 2007) ging es ans packen, es stellte sich heraus, dass man doch 20kg normales Gepäck und 8kg Handgepäck mitnehmen konnte – ein großes Glück, denn mein Rucksack brachte am Ende mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und allem drum und dran knapp 20kg auf die Waage, obwohl ich mich wirklich auf das nötigste beschränkt hatte!

Im nachhinein, habe ich alles gebraucht was ich eingepackt hatte: Regenhose, Haube, 3 Paar Hosen, einige T-Shirts und 3 Pullis, das einzige was zu viel war, waren Unterwäsche und Socken, ganz einfach, weil es nicht oft Gelegenheiten gab, sich umzuziehen oder gar zu waschen.

Jedenfalls am Sonntag (12.8.2007) ging es los – Robert traf um 11 Uhr bei mir zu Hause in Fohnsdorf ein, es galt meine Oma davon zu überzeugen, dass ich nach Kroatien fahre, weil sie sich sonst einfach zu sehr aufgeregt hätte, wenn sie die Wahrheit gewusst hätte. Alle Achtung an Robert, er schaffte es, ohne mit der Wimper zu zucken, meiner Oma eine Reiseroute samt Zeitdauer und diversen Campingplätzen aufzutischen.

Nun konnte es losgehen – Abfahrt nach Wien! Nach einer kurzen Nacht ging es endlich los – mein Onkel brachte uns zum Flughafen Wien-Schwechat. Nach einem 2,5h stündigen Flug landeten wir pünktlich in Moskau. Nun galt es 5h tot zu schlagen bis es weiter ging! Nach einigen Runden durch die Duty-Free-Shops, die alle das gleiche führen, nämlich Alkohol und Zigaretten, war die Zeit endlich rum und wir konnten einchecken nach Ulaan Baatar! Wer meint, die Russen nehmen es genau mit diversen Sicherheitsvorkehrungen, der irrt sich gewaltig, man musste zwar Schuhe ausziehen und das gesamte Handgepäck und sämtliche Taschen, die man am Körper trug wurden durchleuchtet, aber nichts desto trotz ließ man einen Mann mit einem Messer an Bord – da staunten wir mal nicht schlecht!

1. Tag

1. Tag: 13.8.2008: Wir flogen von Wien nach Moskau mit einem komfortablen Airbus so ging es nun mit einer Tupolev weiter! Diese Sorte russischer Flieger darf die europäischen Flughäfen aufgrund ihres Lärms und Anordnungen der Sitzplätze (restlos veraltert) nicht mehr anfliegen! Robert, fast 1,90 groß, hatte kaum Platz für seine Beine, auch ich mit 1,68 cm hatte schon meine Probleme. Der Flug dauerte 6h und ging die Nacht über – schlafen konnte man natürlich kaum, dafür war es schlichtweg zu eng! Robert musste die ganze Reise über in der gleichen Position verharren und versuchte durch Power-Napping Energie für den kommenden Tag zu gewinnen.

Irgendwann in der Früh gab es schließlich Frühstück, welches auch nicht besser war als das restliche Essen der Aeroflot, aber man überlebt alles! Aber von diesem Zeitpunkt an nervte ich nun Robert, ich denke im 15 bis 20 Minuten-Takt wann wir endlich landen – ich konnte es kaum noch erwarten Jakob nach 3 Wochen wiederzusehen!

Plötzlich war es soweit – die Maschine setzte zum Landen an. An dieser Stelle muss ich bemerken – Starten und Landen sind sowieso die genialsten Dinge am Fliegen, wenn man entweder so richtig in den Sitz gepresst wird oder die Maschine mit Vollgas auf der Landebahn dahin rollt und kontinuierlich abbremst!

2. Tag

2. Tag: 14.8.2007: Nach der Landung wurden wir mit einem Bus Richtung Flughafen gebracht, gleich wie bei den kleinen griechischen Urlaubsinseln, die Formalitäten waren rasch erledigt und wir konnten in die Mongolei einreisen! Jakob stand schon in der Empfangshalle und hatte das Hoteltaxi schon mitgebracht – ein wunderschönes Wiedersehen nach doch recht langer Zeit – ja auch 3 Wochen können lang sein!

Die Fahrt ins Khongor Guesthouse brachte Robert und mir schon mal die Verkehrssitten der Mongolen näher – hupen bei jeder Gelegenheit, wenn man überholt, abbiegt oder sonst was macht. Des Weiteren schien es so, als würde sich wirklich niemand an die Verkehrsregeln halten, jeder Fährt kreuz und quer und dennoch passiert nichts – ein Wunder!

Angekommen im Guesthouse konnten wir gleich unser Apartment beziehen – es war vollkommen neu und viel schöner als ich es mir erwartet hatte! Dusche und WC gab es in der Kleinwohnung – nur das warme Wasser funktionierte nicht, dafür war alles sehr sauber! Zuvor machten wir noch einen kurzen Spaziergang in der Stadt – streifen an „Dave’s Place“ (der Mongolrallye-Bar/ End of the Road) vorbei und gönnten uns in einem kleinen belgischen Lokal genannt „Chez Bernard“ ein wirklich tolles Frühstück!

Da wir aber kaum geschlafen hatten, beschlossen wir eine kleine Pause einzulegen und erst dann weitere Stadterkundungen zu starten.

Ulaan Baator wird wirklich zu Recht die verrückteste Hauptstadt der Welt genannt. Zum einen ist sie sehr jung und zum anderen prallen arm und reich direkt aufeinander! Im Zentrum wird gebaut und man errichtet ein Gebäude im Stil des Hotels El Sharab in Dubai, verbaut die Plattenbauten aus der russischen Zeit mit Säulen und Verzierungen – schafft mit einem Wort ein anderes Stadtbild! Auf der anderen Seite – am Stadtrand leben die Menschen in Jurten und Holzverschlägen ohne Annehmlichkeiten, die Straßen hier sind nicht mehr gepflastert und es gibt keine Kanalisation oder Wasserleitungen. Überhaupt ist die Landflucht in der Mongolei sehr groß, doch sie führt selten zu einem besseren Leben!

Die erste Erkundung führte uns zum Gandan-Kloster, ein buddhistisches Kloster mitten in Ulaan Baatar und eines der wenigen Klöster, die während des Kommunismus und der russischen Herrschaft nicht zerstört wurden! Hier muss man bemerken, dass die Russen versuchten die mongolische Kultur auszulöschen, man wollte die Nomaden seßhaft machen und vor allem die Elite, sprich die Lamas (Mönche) auslöschen – dies ist beinahe gelungen und die mongolische Kultur strebt erst heute wieder von Neuem einer Blüte entgegen. In diesem Kloster befindet sich ein riesiger Buddha aus Gold und angeblich mit vielen Edelsteinen und Halbedelsteinen besetzt – wenn man einmal in UB ist, sollte man sich dieses Kunstwerk unbedingt anschauen.

Nach einem längeren Spaziergang kamen wir auch in Jurtenviertel mit unbefestigten Gehsteigen, aber dennoch viel Verkehr – dabei beobachteten wir einen Polizisten wie er gegen Falschparker vorgeht – ganz einfach, es werden einfach die Nummerntafeln abgeschraubt und mitgenommen! Wie wirksam diese Methode wirklich ist, ließ uns etwas zweifeln, da die Autofahrer nicht wirklich den Eindruck machen, als würde sie es kümmern, ob sie mit oder ohne Nummerntafel unterwegs sind.

Was auch noch sehr auffällig ist – des öfteren fehlen bei Kanalöffnungen die Deckel – Loch im Boden – der Deckel liegt manchmal sogar daneben ;) Wenn man nicht aufpasst, kann das gefährlich enden! Meistens werden diese Löcher als Müllhalden benutzt!

Den ersten Abend ließen wir in der Pizzeria „Marco Polo“ ausklingen, die auch sehr empfehlenswert ist und wirklich super Pizzen anbietet. Währenddessen beschlossen wir auch, gleich am nächsten Morgen zu Degi (Chefin des Khongor) zu gehen und unsere Ausflüge für die nächsten Tage zu buchen!

Am Abend als wir heimkamen, gab es noch immer kein warmes Wasser, Robert war hartgesotten genug um eine eiskalte Dusche zu wagen – Jakob und ich bevorzugten lieber eine mit einem elektrischen Boiler im Hauptgebäude des Khongor, obwohl so viel besser war auch diese Dusche nicht, nach etwa 2 Minuten war das Wasser auch recht kalt – aber man wurde sauber und das war das wichtigste!

UB ist nämlich eine sehr staubige Stadt und es stinkt nach den Auspuffgasen der Autos – sehr süßlich und ungewohnt, wegen der anderen Benzinqualität!

3. Tag

3. Tag: 15. August 2007: Auch der neue Tag begann mit einem Frühstück im „Chez Bernard“. Danach verunsicherten wir das „Museum of Mongolian History“, wohl das einzige Museum der Stadt, das über ein gewisses Budget verfügte und dementsprechend hergerichtet war – auch was die „zur Schaustellung“ der Exponate betraf! Das „Naturhistorische Museum“ verfügt über eine Abteilung, wo Dinosaurierknochen ausgestellt sind, welche sehr interessant sind. Der Rest ist eher wegen seines Erscheinens interessant. Im Museum hat sich nämlich wohl kaum die letzten 50-60 Jahre etwas geändert, die Ausstellungsstücke sind verstaubt und wurden wohl ewig nicht mehr bewegt. Die Glasscheiben zerfließen, Decken hängen etwas durch und verjährte Wasserschäden sind zu finden.

Darüber hinaus schlenderten wir noch über den Suchbataar-Platz, wo genannte Person aus Stein den Platz ziert – es handelt sich hierbei um einen General, der die Mongolen von einem Übel, den Chinesen befreite, aber ein anderes ins Land holte – nämlich die Russen. Weiters findet sich auf diesem Platz auch das Parlament, in der Mitte des Gebäudes trohnt Dschingis Khan, begleitet von zwei Mongolenkriegern! Ursprünglich stammte das Gebäude aus der russischen Zeit und wurde „mongolized“ – dh die Spuren des Plattenbaus wurden beseitigt und heute ist der Bau mit Säulen und Statuen verziert.

Überhaupt findet man in Ulaan Baator ganz viele lustige Gebäude – einen Turm, dessen Dach nahezu nur aus Handymasten besteht oder ein Hochhaus, wo die Internet- und Telefonleitungen durch die Fenster hindurch verlegt sind.

Spuren der Russen findet man überall, zum Beispiel im früheren Stalin-Museum, wo noch heute der riesige Kopf des Diktators steht, nunmehr befindet sich dort aber ein Billiard-Spielsalon.

Anschauen kann man auch das Friendship-Building, warum und wieso das so heißt, welchen Zweck es erfüllt/erfüllte, konnten wir aber nicht ausfindig machen. Ganz in der Nähe des Suchbathaar-Platzes findet sich auch der Nullpunkt, von welchen aus alle Entfernungen in der Mongolei gemessen werden.

Den Abschluss unserer Ulaan Baatar Tour bildete ein etwa 3km langer Spaziergang zu einem ehemaligen russischen Propaganda-Denkmal auf einen Hügel nahe der Stadt, welcher einen wirklich einzigartigen Ausblick bietet. Auf dem Weg dahin querten wir eine Brücke unter der die Transibirische Eisenbahn durchfährt, sahen einige überirdische Heizleitungen, deren Rohre mit Beton übergossen sind. Kamen etwas vom Weg ab und kämpften uns durch einen Baustellengraben weiter voran, dabei entdeckten wir auch das Gebäude, wo das mongolische olympische Komitee seinen Sitz hat.

Wir landeten in einer recht ärmlichen Siedlung, doch je weiter es Richtung Denkmal ging, desto moderner wurden die Wohnhäuser und schließlich fanden wir sogar richtige Villen – mit hohen Zäunen und scharfen Hunden und schweren Autos vor der Haustüre – alles gebaut im amerikanischen Stil! Auch eine große Buddha-Statue kam uns unter.

Übrigens das Buchen der Ausflüge funktionierte ohne Probleme – wir kamen zu Degi, gaben ihr die Termine bekannt, wann wir was machen wollten und schon war sie dabei Fahrer mit Auto und Guide zu organisieren! Als es soweit war, die Ausflüge zu buchen, herrschte unter meinen Burschen leichte Unentschlossenheit, ob wohl alles funktionieren würde usw., aber ich konnte mich gut durchsetzen und so buchten wir eine Tour nach Kharakorum, Wüste Gobi und Terlje-Nationalpark!

4. Tag

4. Tag: Am 16.8.2007 ging es los – unser erster Ausflug raus aus der Stadt, hinein ins Landesinnere – auf nach Kharakorum, Erdene Zuu und Orkhon Wasserfall! Jakob, der Gott sei Dank die Mongolrallye überlebt hatte, wusste schon was auf ihn zukommt – Rumpelpisten ohne Ende! Begleitet wurden wir von unserem Fahrer Jagaa und unserer Führerin Zula, unser Vehikel war ein Hyundai-Bus.

Schon bald nach UB endete die asphaltierte Straße und das Abenteuer begann. Herannahende Autos konnte man auf den Pisten schon von weitem an ihrer Staubwolke ausmachen, so wurde es zur Regel geöffnete Fenster rechtzeitig zu schließen um zumindest das Schlimmste zu vermeiden. Nahe der Straße standen anfangs häufig Stupas – das sind kleine weiße Tempel – eigentlich gibt es Stupas in allen Größenordnungen. Weiters sahen wir in regelmäßigen Abstanden Ovoos – hierbei handelt es sich um so kleine bis große Steinhaufen, in deren Mitte eine Stange aus Holz steckt, um welche blaue Tücher gebunden werden. Eigentlich sind Ovoos vergleichbar mit „Materln“, die man in Österreich häufig an Straßenrändern findet. Die blauen Tücher symbolisieren immer etwas Heiliges, normalerweise müsste man ein Ovoo dreimal umrunden und jeweils einen Stein auf den Haufen legen, da aber dazu oft keine Zeit ist, wird beim Vorbeifahren gehupt, als Entschuldigen dafür gerade nicht stehen bleiben zu können.

Die Straße selbst war wahrlich ein Abenteuer – eine Piste teilte sich in zwei, diese in drei und so weiter und so fort – am Ende konnte man aus etwa 10-15 Spuren auswählen, aber unser Fahrer hatte damit keine Probleme. Natürlich wurde man auf den einzelnen Fahrten auch gut durchgerumpelt – eine ruhige Strecke gab es eigentlich nie.

Je weiter wir uns von UB entfernten desto schöner wurde die Landschaft, von sanften Hügeln bis zu außergewöhnlichen Felsformationen war alles zu sehen, dazwischen immer wieder Jurten, Reiter mit Ziegen- und Schafsherden. Auch sehr viele Pferdeherden waren zu sehen.

Bald schon lernten wir, dass der Fixpunkt einer jeden Etappe der Lunch war – das erste Mittagessen führte uns in ein recht gemütliches Straßenrestaurant, welches wirklich ganz nett aussah und wo auch relativ gutes Essen serviert wurde. Da wir uns außerhalb von UB befanden, waren keine normalen Klos mehr zu erwarten – es gab gleich in der nähe des Lokals ein Plumpsklo ohne Türen, aber mit Sichtschutz von der Straßenseite her. Zu diesem Zeitpunkt begann mein persönliches Abenteuer mit diesen „Klos“ – vor der Reise hatte ich doch einige Bedenken wie ich mit dem Umstand, dass es keine normalen Toiletten gibt, umgehen werde, doch ich musste zu meinem Glück feststellen, dass mich so etwas nicht umhaut. Einzig und allein – ich tu mir schwer mit meinen Geschäften, wenn ich gerade in diesem Moment im vorbeigehen von jemanden werde angequatscht werde (es gab ja keine Tür!) – auch, wenn es sich dabei „nur“ um Jakob handelt.

Hier soll gesagt sein, in der Mongolei hat man zum „aufs Klo gehen“ sowieso eine komplett andere Einstellung als wir es in der westlichen Welt gewohnt sind. Ist dies für uns etwas intimes, wo wir allein und ungestört sein wollen, ist es in der Mongolei nichts Ungewöhnliches während seiner Reise einfach stehen zu bleiben, auszusteigen und gleich neben der Straße zu pinkeln, auch in Gesellschaft!

Mit diesem Aspekt konnte ich mich nicht so ganz anfreunden und suchte mir lieber immer wieder ein Plätzchen hinter einem Hügel oder einen Busch oder was auch immer gerade zum Verstecken tauglich war – Gott sei Dank war immer etwas zu finden, dies erstaunte mich des Öfteren selbst.

Am Abend kamen wir in die Stadt Harhorin – hierbei handelt es sich um ein Aimakzentrum (eine Art Landeshauptstadt), dennoch war es im Grunde ein kleines Dorf. Harhorin ist in der Nähe der ehemaligen Hauptstadt des Dschingis Khan Reiches errichtet worden. Von Kharakorum selbst ist außer zwei steinernen Schildkröten und einem Riesenpenis (Fruchtbarkeitssymbol, gemeißelt von Mönchen, draufsetzen und man bekommt Söhne) nichts übrig geblieben – was leider etwas enttäuschend war. Aber die Anhöhe bot einen genialen Ausblick über die Klosteranlage Erdene Zuu, deren Umrandung aus vielen Stupas besteht! Von unserer Führerin erfuhren wir auch, dass Erdene Zuu aus den Überresten von Kharakorum erbaut worden sein soll.

Weiters besichtigten wir noch ein neues Denkmal, wo die einzelnen Mongolenreiche in Mosaikform dargestellt sind und einen kleinen Tempel, der reichlich verziert ist und über eine Fülle von Gebetsmühlen verfügt.

Dann ging es in unser Nachtquartier – eine Jurte. Nach kurzem Herumkurven in der Stadt blieben wir vor einem Verschlag aus Holz und Eisen stehen – dahinter verbargen sich mehrere Jurten, in eine davon wurden wir einquartiert. Zu unserer Überraschung gab es dort sogar ein WC mit Wasserspülung – es war sogar mit einem Sticker verziert: „www.toiletnation.com - we have been here“ – ein berühmtes Klo also!

Die Jurte machte einen gemütlichen Eindruck und damit der Hunger fürs erste gestillt wurde, gab es Nutella-Brote (Nutella = belgischer Verschnitt von echtem Nutella, was aber nicht mal halb so gut schmeckte, das ist ein Urteil von einem echten Nutella-Experten, denn seit ich klein bin frühstücke ich nichts anderes ;)) Später gab es noch ein von Zula (unsere Führerin) gekochtes Essen – in den nächsten Tagen lernten wir es noch sehr zu schätzen, wenn etwas von unserem Guide gekocht wurde und wir nicht in ein „Restaurant“ gehen mussten. Etwas später am Abend wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten auf echte mongolische Musik – sprich ein Folklore-Konzert – da wir doch recht gespannt waren, wie so etwas klingt, willigten wir ein. Zuerst dachten wir, wir fahren dafür irgendwo hin – aber falsch, etwa eine halbe Stunde später, stand ein Mongole in voller Trachtenmontur in unserer Jurte, packte vier verschiedene Instrumente mit ungesicherter mongolischer Herkunft aus – er erzählte uns nämlich: eigentlich verwende man das Instrument hier und dort, aber ursprünglich komme es natürlich aus der Mongolei! Gesichert war nur: die Pferdekopfgeige stammt sicher aus der Mongolei!

Nach etwa 45 Minuten vorspielen und Kehlkopfgesang (von dem gibt es etwa vier verschiedene Arten) hatte ein neunjähriges Mädchen seinen Auftritt, es besuchte wohl eine Artistenschule, da es sich in alle Richtungen verbiegen und verrenken konnte. Bei dieser Sache war uns nicht wirklich wohl, das Kind war anscheinend kurz davor aufgeweckt und zu unserer Jurte gebracht worden um uns seine Kunststücke zu präsentieren – man wollte uns Touristen etwas bieten! Die Kleine schlief nach ihrer Darbietung sofort wieder am Schoß ihrer Mutter ein. Begleitet wurde das Spektakel von unserem Musikanten, wir kamen zu dem Entschluss, dass es sich hierbei wohl um den Opa des Kindes handelte und alle eigentlich zusammengehörten.

Die Melodien und die Art des Musizierens sind für Europäer doch recht fremdartig, aber es war auf alle Fälle sehr interessant sich so etwas Mal anzuhören. Der Mongole spielte höchst wahrscheinlich nicht immer richtig (es klang zumindest so – seine Interpretationen eines Simon and Garfunkel-Songs sowie eines italienischen Liebesliedes waren kaum zu erkennen), bei seinen Gesängen traf uns regelmäßig sein nach gesalzenem Milchtee riechender Atem (das ist wirklich ekelhaft!), doch er hatte bewundernswerter Weise extra einige Sätze Englisch gelernt um den Touristen seine Instrumente und Lieder selbst erklären zu können.

Der Tag war anstrengend und voller neuer Eindrücke – wir freuten uns alle auf ein Bett und etwas Schlaf bevor wir es wieder losging.

5. Tag

5. Tag: Leider hatte das Wetter über Nacht umgeschlagen, so begann der nächste Tag (17.8.2007) mit Regen und der sollte bis zum Abend hin anhalten!

Gleich nach dem Frühstück fuhren wir für eine Besichtung ins Kloster Erdene Zuu. Während der kommunistischen Zeit wurden die meisten religiösen Anlagen zerstört und auch Erdene Zuu wurde schwer getroffen, von einstens 60 Tempeln sind nur noch wenige übrig, zur Renovierung und Erhaltung fehlt meistens das Geld. Dennoch werden hier wieder junge Lamas ausgebildet und es herrscht reges Leben im Areal.

Hier wurde uns der Buddhismus etwas näher gebracht, aber auch nach der Führung blieb uns das Meiste ein Rätsel. Ein paar Dinge konnten wir allerdings mitnehmen: die Handhaltung des Buddhas gibt Auskunft, ob es sich um zum Beispiel um einen lehrenden Buddha handelt, das Schafe für Dummheit stehen, es eine Art Hölle gibt, die verdammt grausam ist und Vögel eine ganz besondere Stellung einnehmen.

Etwa zwischen 12 und 13 Uhr gab es Lunch! Diesmal in einem wirklich mongolischen Restaurant in Harhorin – aber das Essen war ok. Unserer Fahrer deckte sich reichlich mit Airag, vergorener Stutenmilch, ein – eingefüllt in eine Plastikflasche. Natürlich mussten wir davon kosten - so einladend sah das Gesöff nicht aus, besonders der Dreck, der an seiner Oberfläche schwamm, gab uns zu Bedenken. Da wir nicht unhöflich oder beleidigend sein wollten, probierten wir es aus und nahmen einen Schluck – es schmeckte scheußlich – irgendwie ranzig! Um eventuellen Darmgeschichten ausgelöst durch dieses Getränk von vornherein zu entgehen, gab es unverzüglich einen großen Schluck Gurktaler Kräuterschnaps zum Desinfizieren.

Nächster Halt war ein so genannter „Black Market“ – darunter versteht man eigentlich einen ganz „normalen“ Markt. Es gibt dort einfach alles was man sich vorstellen kann: Waschmittel, Autoteile, Lebensmittel, Kleidung. Robert, Jakob und ich sind dort aufgefallen wie ein bunter Hund und wurden auch dementsprechend begutachtet. Die Läden sind zum Teil in Uaz-Bussen, schiefen Holzverschlägen oder Containern untergebracht, manchmal findet sich auch ein heruntergekommenes Haus darunter.

Robert konnte sogar einen Blick auf die Fleischtheke werfen und berichtete danach, dass Jakob und ich froh sein können, es nicht gesehen zu haben, denn neben dem Fleisch sind auch die Schädel und sonstige Teile des Tieres aufgestapelt, auch war es recht blutig. Zula besorgte hier das Fleisch für unser Mongolian Barbecue, was es nächsten Abend zum Essen geben sollte – sprich wir führten das Fleisch etwa 48h ohne Kühlung spazieren – aber dazu später mehr!

Die Atmosphäre am Black Market war sehr eindrucksvoll – es herrscht dort ein Treiben und eine Stimmung, die man sich in westlichen Gefilden nicht wirklich vorstellen kann! Jedoch ohne Guide hätten wir uns nie an so einen Ort getraut, denn so freundlich die Menschen auch sind, so ganz sollte man es nicht unterschätzen, wo man sich gerade befindet!

Nun begann die Fahrt ins Orkhon-Tal. Für kurze Zeit hatte es zu Regnen aufgehört und so konnten wir unsere erste Flussdurchquerung genießen – da es nicht tief und vor allem schmal war, konnte Robert leicht das andere Ufer erreichen und alles genau fotografieren. Für Robert und mich war es natürlich sehr spannend, auch wenn der Bach nicht so abenteuerlich war. Dafür machte eine Brücke, die wir geraume Zeit später passierten dies wieder wett – es schien so, als würde sie einfach nur noch aus Gewohnheit halten. Auf der einen Seite befanden sich große Löcher im Boden und die andere Seite machte auch nicht mehr so den Anschein wirklich stabil zu sein, jedoch unserer Fahrer ließ sich dadurch nicht beirren – er schleppte ein paar Steine heran und fuhr über die Brücke – wir sind lieber vorher aus dem Auto ausgestiegen…

Kurz nach dieser spektakulären Überquerung konnte die Fahrt auch schon wieder weitergehen. Mit dem Wetter hatten wir nicht so großes Glück – es wurde wieder schlechter und es begann zu schütten wie es aus Eimern. Die Straßen wurden zusehends morastiger, bis man schließlich das Gefühl hatte auf Seife zu fahren! Unserer Fahrer hatte den Bus aber gut unter Kontrolle und konnte sogar schwierigste Stellen gut meistern, zum Beispiel zwischen zwei Steinen bei einem Abhang auf Zentimeter genau durchzufahren.

Am späteren Nachmittag kamen wir in ein Gebiet, dass genauso aussah wie eine Alm daheim in Österreich: grüne Wiesen und Nadelbäume – nun waren wir vom Orkhon-Wasserfall nicht mehr weit entfernt. Zu diesem Zeitpunkt lebte noch die Hoffnung der Regen könnte etwas nachlassen bis wir die Schlucht besichtigen gehen, doch da hatten wir uns leider geirrt. Darum hieß es Regenhose, wasserdichte Jacke und Bergschuhe auspacken!

Der Orkhon-Wasserfall ist wirklich sehr sehenswert, doch noch viel interessanter war es, eine schmale Schlucht nach unten zu klettern: über Stock und Stein und einen schlammigen Abhang – und natürlich den gleichen Weg zurück. Unser Fahrer und unsere Führerin verzichteten auf jegliches Outdoor-Equipement und waren nur mit einfachen Hosen und Pullovern bekleidet, obwohl es wirklich verdammt kalt war.

Nach unserem Ausflug zum Wasserfall bezogen wir eine Jurte, dass Feuerholz, das für uns bereitgestellt war, war feucht und kaum zu entzünden, in der Jurte selbst war es klamm und wir trotz allem mehr oder weniger durchnässt. Nachdem der Ofen (jede Jurte verfügt über einen Ofen mit Ofenrohr) mehrmals ausgegangen war, nahm Robert die Sache in die Hand – nach etwa einer Stunde Geduld und viel Spielerei hatte er es geschafft ein Feuer zu entfachen, das fröhlich vor sich dahin loderte ohne sofort wieder zu ersticken. Das feuchte Holz stapelte er so um den Ofen herum, dass es trocknen konnte und somit auch leichter brannte.

Zum Essen gab es Eintopf – gekocht von unserer Führerin und somit genießbar – sowie von den Nomaden gesammelte Heidelbeeren, einen selber gemachten Käse, der nach nichts schmeckte und ein selbst gebackenes Brot, welches ziemlich trocken und geschmacksarm war.

Das Plumpsklo – ein recht sauberes – befand sich in der „Nähe“ der Jurten, es war im Finsteren durch die weiße Bespannung leichter zu finden als der Rückweg und die richtige Jurte. Hier leistete die Stirnlampe von Jakob gute Dienste.

6. Tag

6. Tag: Der nächste Tag (18.8.2007) war wunderschön, die Sonne strahlte und die Gegend um den Orkhon-Wasserfall präsentierte sich in ihrer ganzen Pracht. Leider ist es schwer dies zu beschreiben, so etwas muss man einfach selber gesehen haben um sich wirklich ein Bild davon machen zu können.

Die Bergspitzen lagen noch unter weißen Nebeldecke, einerseits schien bereits die Sonne, andererseits waren noch Wolkenreste vom Vorabend zu sehen und dazwischen blauer Himmel.

Es war sehr schade, dass wir nach dem Frühstück gleich aufbrechen mussten, die Gegend war sehr einladend zum verweilen und erkunden, aber es half nichts. Sachen packen und alles rein in den Bus und weiter geht die Fahrt – diesmal wieder Richtung UB. Das Etappenziel für den heutigen Tag sollte in der Nähe der „Stadt“ Lyn liegen – Gott sei Dank wussten wir an diesem schönen Morgen noch nicht was uns zu Mittag bzw. am Abend erwarten würde.

Auf unserer Fahrt gelangten wir zu einer kleinen Jurtensiedlung (unser Fahrer musste nach dem Weg fragen), wo mehrere Hunde die Zelte und die in der Nähe weidenden Schafe beaufsichtigten – die Tiere waren über unsere Ankunft nicht besonders erfreut und stürzten sich kläffend Richtung Bus. Faszinierend war, dass einer der Hunde mit drei Beinen genauso so schnell unterwegs war als seine Artgenossen mit vier. Die mongolischen Hunde wirken sehr gefährlich und wild (auf mich vielleicht noch mehr, weil ich Hunde überhaupt nicht mag), weiters haben sie große Ähnlichkeit mit einem Wolf.

Eine gute Weile später gelangten wir wieder zu einem Punkt, wo es hieß, wir müssen einen Fluss überqueren – Problem war: der Hang war durch den starken Regen aufgeweicht, es war schlammig und die Reifen des Busses konnten kaum Halt finden. Dennoch mussten wir genau an dieser Stelle den Fluss durchfahren, da es in der näheren Umgebung keine weitere Möglichkeit dafür gab – und da passierte es: die Reifen begannen sich durchzudrehen und sich in den Morast einzugraben – keine Chance weiterzukommen. Alle raus aus dem Auto, Situation betrachten, schon kommen Mongolen eines anderen Busses herbeigeeilt, die dieselbe Stelle eben ohne größere Schwierigkeiten queren konnten. Es hilft nichts, der Bus wird es aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Schlammloch herausschaffen, so eilt der Fahrer des anderen Busses ein Seil holen – man bindet es an unserem Bus an und nun ziehen alle mit voller Kraft (Robert und Jakob an vorderster Stelle, ich filme die Szene), der Fahrer gibt Gas – endlich, der Wagen ist befreit! Die zweite Hürde (noch einmal durchs Wasser) ist schneller geschafft, doch sie wird dem Bus, der uns geholfen hat, zum Verhängnis!

Mongolische Vehikel transportieren immer mehr Personen als erlaubt, ist ein Auto für fünf Personen zugelassen, kann man davon ausgehen, dass sich bestimmt acht hineingezwängt haben – dies ist auch ein Grund warum, sich die Passagiere des zweiten Busses sehr schnell alleine aus ihrer misslichen Lage befreit hatten und auf unsere Hilfe verzichteten.

Das ganze spielte sich in etwa 20-25 Minuten ab, doch man konnte so viele ulkige Sachen beobachten: im Bus der Mongolen befand sich ein kleiner Hund und just als sie im Schlamm steckten, musste dieser pinkeln – aus Angst? Man hielt ihn einfach beim Fenster hinaus und ließ ihn sein Geschäft verrichten.

Während wir uns durch den Morast kämpften, rollten auf der anderen Seite des Flusses Motorräder mit jeweils drei Personen an Bord heran, auch sie wollten das Gewässer bezwingen. Einige PKW versuchten ebenfalls ihr Glück, auch wenn hier alle Passagiere bis auf den Fahrer das Auto verlassen mussten, damit man nicht wegen Überladung stecken blieb. Weit und breit war nichts außer Gegend und dennoch trafen wir an dieser Stelle so viele verschiedene Leute, die allesamt von A nach B und umgekehrt wollten. Eines bestätigte sich hier: die Mongolen sind ein sehr hilfsbereites Volk, denn ohne Hilfsbereitschaft würde man in diesem unwegsamen Land nicht weit kommen! Die Chancen, dass das Auto eingeht oder irgendwo in der Pampa stecken bleibt, sind nämlich größer als man denkt!

Gegen die Mittagsstunde brach unser Glück an. Irgendwo am „Highway“ stand eine Tafel, wo Messer und Gabel abgebildet waren – das Symbol für eine „Autobahnraststation“. Vor den windschiefen Holzhütten, die wirkten, als würden sie beim leisesten Windhauch umfallen, stand ein kaputter LKW, der Schafsfelle geladen hatte. Die Küche des „Lokals“ war ein erschreckender Anblick und genau in diesem Moment hieß es – hier gibt es Mittagessen! Wir wurden in die Gastjurte geführt, die eigentlich das Wohnzimmer der Familie war und damit wir ungestört waren, hatte man vorher noch den Opa, der auf der Couch gesessen hatte, rausgeworfen. In der Jurte stank es wie üblich nach gesalzenem Milchtee, ein abgeschnittenes Stromkabel diente als Wäscheleine, an den Wänden hingen Teppiche, deren Anblick einen fast erschlagen hätte. Doch so weit kann man sich gar nicht im Nirgendwo befinden, als das nicht die Oma und wahrscheinlich Küchenchefin aus einer versperrten Dose kein Nokia-Handy herauszaubern hätte können, um es anschließend nach Gebrauch wieder sorgfältig einzuschließen.

An diesem Ort hätte ich mir gewünscht, nicht so dringend aufs Klo zu müssen, wie ich halt musste … so blieb mir nichts anderes übrig, als das dortige Plumpsklo aufzusuchen, auf keinem unserer Trips haben wir ein annähernd so grausiges wieder gesehen als hier! Es stank 10 Meter gegen den Wind und man musste Acht geben um auf den Balken nicht den Halt zu verlieren, ansonsten wäre man in das Loch hineingefallen – die Spalten zwischen den Holzbrettern waren groß genug dafür!

Auf diesen Schock folgte bald der zweite – das Essen wurde serviert, ein grausiges Etwas mit einer Ähnlichkeit von Nudeln mit einem Stück Knochen samt Fleischfetzen garniert. Uns drei stand der Schrecken förmlich ins Gesicht geschrieben, das mussten wir jetzt essen? Nachdem wir gerade ein paar Stückchen runtergewürgt hatten, fand Robert eine mitgekochte Fliege in seiner Schüssel – das war einfach genug, keiner von uns brachte mehr einen Bissen hinunter!

Gott sei Dank mussten wir nicht mehr allzu lange an diesem Ort bleiben, die Fahrt ging weiter – während wir mit dem Essen gequält wurden, hatten es sich Raben auf dem Verschlag, was sich Plumpsklo nannte, gemütlich gemacht – ein kurioser Anblick, auf jedem Holzpflock ein Vogel!

Unser nächster Stopp war eine kleine angewehte Sanddüne, danach ging es weiter Richtung Lyn, dabei stießen wir auch wieder auf die lädierte Brücke vom Vortag, fuhren aber diesmal durch den Bach, anscheinend traute der Fahrer dem Bauwerk nicht mehr so ganz!

Das Nachtquartier erreichten wir hungrig und müde vom Tag! Aber die Tour inkludierte noch Pferdereiten und da mussten wir durch. Jeder von uns wurde auf einen Gaul gesetzt – Robert und ich wurden per Leine von einem Reiter geführt – Jakob überließ man sich selbst – sein Pferd war faul und träge und scheute jegliche Anstrengung, so ließ es auch den einzigen Hügel auf der Route aus und nahm gleich einen kürzeren Weg.

Die Sättel waren zum Teil aus Leder, zum Teil aus Holz und sehr klein – dies wurde für Robert zu einem schmerzlichen Problem!

In dieser Nacht wollten Jakob und ich unser 30 Euro Zelt (die erste gemeinsame Investition) ausprobieren und stellten es ein Stückchen weiter weg von der Jurte auf. Die Ziegen hatten ihre helle Freude daran – eine Jurte, die sie noch nicht kannten! Sie knabberten alle Seile ab und ließen sich auf die Zeltwände fallen – ein heilloser Tumult unter den Tieren, jede Ziege wollte es mal ausprobieren!

So blieb uns nichts anderes übrig, das Zelt näher zur Jurte zu rücken, eine Maßnahme, die erst Wirkung zeigte, als die Hirtenhunde den Auftrag bekamen unser Zelt vor den Ziegen zu bewachen.

Und wieder sind wir beim Essen angelangt – dachten wir, das Mittagessen grausig und es könnte kaum noch schlimmer kommen, lagen wir mit dieser Einschätzung ziemlich falsch – folgend dem Sprichwort „Sag niemals nie!“. Es gab Mongolian Barbecue – Ziege mit Ziege gegart in einer Milchkanne mit heißen Steinen über offenem Feuer. Das Servierte ließ uns das Blut in den Adern gefrieren – es sah mit einem Wort scheußlich aus und schmeckte auch so! An den Knochen war fast nur Fett – das Fleisch musste man suchen wie eine Nadel im Heuhaufen, es war nichts gewürzt und die Beilage, Gemüse, war völlig verkocht! Jakob rutschte ein solcher Knochenteil aus der Hand und landete direkt am dreckigen Jurtenboden – seine Miene sprach Bände – bedächtig hob er das Stück wieder auf und begann langsam darauf weiter rumzukauen, das Grausen stand in sein Gesicht geschrieben – da kam die Erlösung, unsere Führerin meinte, er solle sich einen neuen Happen nehmen – eine größere Erleichterung hätte es in diesem Moment wohl kaum geben können.

Robert hatte Glück und fand einige Teile mit zähem Fleisch, die man im Gegensatz zum Rest noch Essen konnte, ich verzichtete mehr oder weniger auf dieses Essen und begnügte mich mit dem kläglichen Gemüse, das „Fleisch“ konsumierte ich lieber nur in geringen Dosen.

Als wir es uns schließlich im Zelt gemütlich machen wollten, bekam Jakob eine Krise, er war von uns dreien schon seit vier Wochen unterwegs und hatte in diesem Moment wirklich genug vom ganzen Abenteuer, dem Essen und dem Dreck! Wir hatten noch einen einwöchigen Gobi-Trip gebucht und dies schien in diesem Moment einfach zu viel des Guten zu sein. Am Ende beschlossen wir auf die nächste Tour selbst Lebensmittel mitzunehmen um im Ausnahmefall kochen zu können.

Die Nacht barg noch so einige Überraschungen – es begann wieder zu regnen! Das Zelt hielt nicht dicht und so ersoffen wir samt unseren Habseeligkeiten in der Wildnis und die Hunde kläfften neben unseren Köpfen und es schien so als würden sie sich gleich durch das Zelt bohren und uns auffressen. Die mongolische Familie selbst vergnügte sich mit Airag und begann ihre Utensilien für den morgigen Aufbruch in das Winterlager vorzubereiten. Jakob und ich froren in unserem Zelt.

7. Tag

7. Tag: Der nächste Morgen (19.8.2007) begann mit Regen und es war eisig kalt. Jakob war ziemlich durchnässt und sein Schlafsack war wie ein Schwamm! Nach dem Frühstück hieß es trotzdem Zelt abbauen und weiter nach UB.

Wieder ging es durch die einzigartige Landschaft der Mongolei. Es dauerte nicht lange und wir blieben auf einer Piste hängen, der Regen hatte die sonst schon marode Straße ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Diesmal war niemand in der Nähe um zu helfen, so mussten wir alle bis auf den Fahrer hinten anschieben, konnten aber das Auto ziemlich flott befreien.

Auf der Strecke trafen wir ein etwa 60 Jahre altes Ehepaar, welches auch an der Mongol-Rallye teilnahm und die Straße mit der Frage kommentierte: „All this shit road to UB?“ und wir meinten: „Yes!!“. Das Auto war schon ziemlich hergenommen, eine Radaufhängung funktionierte nur mehr schlecht als recht und es verlor alle möglichen wichtigen Flüssigkeiten. Doch die beiden schafften es nach UB, wir sahen sie später nationalbewusst eine schottische Flagge schwenkend in UB einfahren.

An dieser Stelle sei mal wieder auf das Mittagessen verwiesen. Der letzte Tag hatte uns bezüglich Essen gereicht, wir wollten eigentlich nur noch zurück nach Ulaan Bataar, doch wir entkamen unserem Elend nicht! Unserer Führerin meinte, dass der Fahrer unbedingt ein Essen braucht und so dachten wir ok – dann essen wir Kushuu, das sind frittierte Teigtaschen gefüllt mit Hammel- oder Ziegenfleisch, die waren letztens nicht so schlecht! Ein Irrtum sondergleichen. Wir stoppten wieder in einem Straßendorf gebaut aus Baracken! Im Restaurant musste unser Guide den Tisch selbst abwischen und dann wurde gekocht – der Anblick des fertigen Essens fürchterlich. Das Fett ran förmlich aus den Teigtaschen heraus, das Fleisch war nicht durch einen Fleischwolf gedreht worden und bestand größtenteils aus Fettklumpen.

Während Jakob und Robert mutig aßen und danach Bauchweh hatten, hielt ich mich etwas zurück!

Etwa um vier Uhr erreichten wir wieder unser Hotel. Leider war das Appartement nicht frei und wir wurden in anderen Zimmern untergebracht. Robert bekam ein Einzelzimmer, Jakob und ich ein Doppelzimmer – das warme Wasser funktionierte noch immer nicht. In den Zimmern waren Sticker mit der Aufschrift: „Don’t bring local people to the room – don’t disturb other guests!“ angebracht – sie ließen uns schmunzeln.

Nachdem wir unsere Sachen zum Trocknen aufgehängt hatten und nach einer kalten Dusche, machten wir uns fertig, trafen Herwig und gingen zur Mongolrallye-Party in Ulaan-Baator. Dort trafen wir auch das ältere Ehepaar aus Schottland wieder, das uns erklärte, der Plan für das nächste Jahr sei Heliskiing in Kasachstan – mutig! Robert unterhielt sich blendend mit den beiden, da deren Kinder so wie der Ehemann ebenfalls wie Robert Skilehrer sind. Wir ließen den Abend gemütlich ausklingen, unterhielten uns mit einem Weltenbummler und anderen Teilnehmern der Rallye. Auch schafften wir es noch eine der letzten Pizzen zu erwischen.

Die Nacht war sehr angenehm – endlich gab es mal wieder ein normales Bett. Bereits am Nachmittag hatten wir von Degi (Guesthouse Chefin) erfahren, dass auch ein älteres amerikanisches Ehepaar in die Wüste Gobi fahren wollte und wir günstiger reisen würden, wenn wir zu fünft am Trip teilnehmen. Ich stand diesem Unterfangen zuerst sehr skeptisch gegenüber, da fremde Personen immer ein gewisses Risiko bedeuten und vor allem älter? Wie alt würden die wohl sein? 60jährige haben eben andere Interessen als wir Mitte Zwanzig. Aber ich wurde von Robert und Jakob breitgeschlagen – wir gingen zu fünft auf den Gobi-Trip!

Degi konnte ihre Überraschung nicht verbergen, als wir mitteilten, dass wir, obwohl wir erst von einer Tour zurückgekehrt waren, schon am nächsten Morgen zum nächsten aufbrechen wollten!

8. Tag

8. Tag: Der Morgen (20.8.2007) begann mit einem Frühstück bei „Chez Bernard“, wie immer, wenn wir uns gerade in der Stadt aufhielten, die Hoffnung auf ein French Breakfast wurde aber auch jetzt nicht erfüllt – Croissants gab es nur am ersten Tag und dann nie mehr – warum das so war, haben wir eigentlich nie so richtig verstanden…

Diesmal wurden wir von Herwig begleitet, der noch ziemlich fertig von der Party am Vorabend war, für ihn näherte sich der Mongolei-Aufenthalt schon dem Ende, er flog ein paar Tage später heim.

Die beiden Amerikaner machten von Anfang an einen sehr netten Eindruck, beide waren 59 Jahre alt und hatten schon vor Jahren ihre Jobs an den Nagel gehängt um ausgiebig reisen zu können. Sie leben in einem Haus in Mexiko, doch Mexiko müssen sie alle sechs Monate aus Visum-Gründen verlassen – sehr kompliziert und so ganz verstanden wir nicht, wieso man sich so etwas antut.

Obwohl die beiden viel unterwegs zu sein schienen, ihre Ausrüstung war eher mager, aber dazu später mehr.

Kurz bevor wir Ulaan Baator verließen, erklärte uns unser neuer Guide Gera, dass wir unbedingt noch Wasser einkaufen sollten, da das kühle Nass in der Wüste nicht so leicht zu bekommen sei. So besorgten wir noch drei Packungen Wasser zu je 8 Flaschen – eine Menge, die locker ausreichen musste für 7 Tage.

Nach einer langen Fahrt durch eine Gegend, die immer karger wurde, machten wir zu Mittag wieder eine Pause – Lunch! Aus Angst wieder solche Erfahrungen mit dem Essen zu machen wie beim ersten Trip, hatten wir vorsorglich genügend Dosenessen und Knabberzeug eingekauft – für den Notfall. Doch das Restaurant war wirklich super, es verfügte auch über ein Ger-Camp, normale Klos und sonstigen Luxus, es gehörte zu einem noblen Hotel in der Stadt. Auch das Essen war ganz ok, selbst wenn die Kellnerin mit den Bestellungen etwas durcheinander gekommen ist.

Hier soll gesagt sein, die Wüste Gobi ist eine Halbwüste, das heißt, sie schaut nicht so aus wie die Sahara, die aus Sanddünen besteht, sondern es gibt viel Kies und Schotter. Zu unserer Überraschungen war es nicht einmal so heiß wie wir uns gedacht hatten.

Unser Vehikel für diese Reise war ein russischer UAZ-Bus, das Design dieser Fahrzeuge hat sich seit etwa den 60er Jahren um nichts geändert und der Innenraum ist gepolstert, alsbald stellte sich heraus, dass eine solche Polsterung auf den Pisten der Gobi kein Fehler ist, denn Robert stieß öfter mal mit dem Kopf auf der Decke an, wenn der Fahrer, Ekke, zu schnell über Bodenwellen fuhr.

Der erste Halt war bei einem kleinen Nationalpark in dem sich Sandsteinfelsen befanden. Es war ein Anblick wie im Universum – kaum vorstellbar. Wir hatten strahlend blauen Himmel und konnten von den Felsen aus die ganze Umgebung überblicken. Weiters befand sich dort eine Klosterruine, die wahrscheinlich bald völlig in einem kleinen Birkenwald verschwunden sein wird.

Ein Stückchen weiter fanden wir auch eine Höhle, sie war recht schmal, aber ich passte durch! So schnappte ich mir gleich eine Taschenlampe und die Erkundungstour begann! Die Höhle war nicht tief, aber trotzdem verlockend zum Reinkriechen. Jakob meinte dazu nur, dass ich mal wieder überall rein muss …

Leider konnten wir nicht so lange bleiben, denn es ging weiter zu unserem Nachtquartier – dazu wurde eine halbwegs windsichere Stelle auf einem kleinen Pass auserkoren, das war Outdoor pur! Die Zelte waren schnell aufgebaut und es war kein Regen in Sicht. Auf einem Hügel beobachteten wir noch den Sonnenuntergang – Jakob und ich beschlossen daraufhin, noch einen kleinen Spaziergang in die Umgebung zu unternehmen, wenn auch mit Taschenlampen bewaffnet.

Bei diesem abendlichen Ausflug wäre ich beinahe auf eine Schlange getreten – ich wunderte mich, was wohl dieses bunte Stöckchen sei – hier offenbarte Jakob seine Angst vor Schlangen! Er hatte sich mehr erschrocken als ich – im nachhinein erzählte er mir, dass er einmal eine große Spinne aus einer Jurte entfernt hatte, bevor ich sie sah – dafür war ich ihm sehr dankbar, denn diese Viecher kann ich nicht ausstehen – deswegen hielt ich die ganze Reise über auch für besser nicht so genau zu schauen was in meiner Nähe so alles rumkrabbelte.

Nach dem Abenteuer mit der Schlange fanden wir noch einen skelettierten Ziegenschädel, den wir mit Hilfe der Taschenlampe gespenstisch beleuchteten und fotografierten.

Gera war keine schlechte Köchin, aber wir merkten bald, dass es so gut wie jeden Abend das gleiche gab. „Reisgatsch“ oder Nudeln mit diversen Beigaben. Obwohl es tagsüber recht warm war, war die Nacht sehr kalt, aber trotzdem war es eine angenehme Nacht im Zelt.

9. Tag

9. Tag: Der nächste Morgen (21.8.2007) begann wie gewohnt mit einem einfachen Frühstück, dann ging die Reise in den Uaz-Bussen weiter. Mit uns unterwegs war auch ein Bus mit italienischen Reisegästen und einer mit Thailändern, sie hatten den Trip ebenfalls über das Khongor Guesthouse gebucht.

Schon bald nach unserem Aufbruch trafen wir auf Kamele – eine Kamelherde ist ein sonderbarer Anblick, weit und breit keine Zäune, die Tiere sind nur mit aufgemalten Symbolen markiert und ständig auf der Suche in der kargen Landschaft etwas zu fressen zu finden. Doch der Grund warum wir neben den Kamelen stoppten, war ein anderer: unser Bus hatte einen platten Reifen und musste gegen einen anderen getauscht werden. Aber der Reservereifen hatte zu wenig Luft und wurde deswegen mühsam mit einer Fahrradpumpe aufgeblasen.

In der Stadt Erdenedalai gab es Lunch – ich fand ein Haar im Essen und begnügte mich im Auto dann lieber mit Keksen. Dort besichtigten wir auch ein buddhistisches Kloster. Buddhistische Klöster sind sehr farbenfroh gestaltet und beinhalten wahnsinnig viele Figuren. Erdenedalei war ein typisches Dorf für die Wüste Gobi – wenig Jurten, eher Häuser und Plumpsklos quer über die Stadt verstreut!

Je weiter wir uns nach Süden bewegten, desto mehr entsprach die Gobi unseren Vorstellungen einer Wüste. An diesem Tag hatten wir eigentlich nur eine lange Autofahrt hinter uns, beobachteten die Landschaft, aber ansonsten passierte nichts Spektakuläres. Die Nacht verbrachten wir in einem Ger-Camp. Unser Jurtendorf verfügte nicht über den Luxus wie das gegenüberliegende, wo es ein Restaurant in einer Steinschildkröte und Duschen sowie Toiletten gab – aber dafür nahmen wir gerne einen kleinen Spaziergang auf uns! Vor allem die Klos waren eine Erleichterung!

10. Tag

10. Tag: Der nächste Morgen (22.8.2007) begann mit einem Abenteuer – wir gingen Kamelreiten! Auf einem Kamel zu reiten oder zu sitzen ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die Tiere stinken und verlieren diverse Flüssigkeiten aus allen Körperöffnungen. Sie furzen und niesen sowie pinkeln während sie laufen.

Nachdem alle auf einem Kamel Platz gefunden hatten, wurde die Karawane in zwei Reihen zu je vier Kamelen geteilt, jeder bekam eine Schnur in die Hand und musste seinen Nachbar auf der rechten Seite führen bzw. festhalten. Der Ritt dauerte etwa eine Stunde, war aber nicht so anstrengend wie der Ausflug mit den Pferden, wo man selbst nach zwei Tagen noch den Muskelkater spürte. Aufpassen musste man, dass die Beine nicht zwischen den Kamelen eingezwickt wurden, dies konnte sehr schmerzhaft sein!

Nach dem Kamelabenteuer fuhren wir in ein Gebiet, wo noch heute Dinosaurierknochen gefunden und ausgegraben werden. Die Felsen bestanden aus rötlichem Sand, der fest zusammengepresst war! Ein sehr imposanter Anblick!

Dafür war das Essen eine echte Überraschung – wir stoppten für den Lunch in der Stadt Dalandsagad. Hierbei handelt es sich um eine Stadt, die sich voll im Aufbruch befindet – es wird an allen Ecken und Enden gebaut und erneuert, aber vor allem gibt es bereits eine Kanalisation.

Das Restaurant war sehr schön, verfügte über normale Toiletten und das Essen war lecker. Ein lustiger Anblick war es, dass wir auf der Klobrille Spuren von Schuhen entdeckten – anscheinend sind englische WCs noch nicht so ein Begriff in der ländlichen Bevölkerung, diese ist eher eine Hockstellung, wie sie bei Plumpsklos zur Anwendung kommt, gewohnt.

Die Italiener packten eine kleine elektrische Espresso-Maschine aus und kochten für alle, die wollten Kaffee, auch unsere Guides mussten davon probieren. Sie waren aber von der Art der Zubereitung des Kaffees etwas verwirrt, sie sind es nur gewohnt heißes Wasser über ein Pulver drüber zu schütten, richtiges Kaffeekochen ist ihnen aber nicht bekannt. Zula fand den Espresso eindeutig zu stark und verzog das Gesicht. Weiters gab es noch Kharakorum-Bier und einen Fruchtsaft wo keine „Präservative“ hinzugefügt waren – Gott sei Dank kein ACE mit Kondomen!

Anschließend besuchten wir den Black Market von Dalandzagad – hier gab es echt alles: angefangen von Lebensmitteln bis hin zu allen möglichen Ersatzteilen für Uaz-Busse. Teilweise werden die Waren gleich aus dem Kofferraum von Uaz-Bussen heraus verkauft, teilweise gibt es Häuser in denen „Geschäfte“ untergebracht sind. Uaz-Busse gibt es wohl nur in wenigen Farben: grau (sieht man mit Abstand am öftesten), beige, mattes blau und in seltenen Fällen auch ein mattes grün.

Manche der Verkäufer tragen eine weiße Schutzmaske über Mund und Nase – Bilder wie aus dem Fernsehen – eventuell ein Schutz gegen den Staub? So ganz konnten wir uns das jedenfalls nicht erklären.

Wir schlenderten durch den Markt, aber bald war alles gesehen und kaufen wollten wir nichts, unsere Führerin meinte, wir sollten lieber beim Restaurant warten, da es gefährlich werden könnte, wenn wir so herumstehen würden. Wir hatten eher den Eindruck, die Leute waren Touristen.

Unser Guide wollte Ekke eine Überraschung machen und besorgte am Markt eine neue Kassette für den Bus, doch es verwunderte uns kaum, dass sich die neuen Lieder in keinster Weise in ihrer Melodie von den bereits vorhandenen unterschieden.

Inzwischen „mongolizete“ der Fahrer der Italiener wieder etwas am Auto herum – die Italiener hatten sowieso großes Pech mit ihrem Fahrzeug: es hatte mit Abstand die meisten und schwerwiegendsten Pannen. Um zum Motor zu gelangen, muss man einfach die Sitze ausbauen und einen Metallkasten hochklappen und schon kann man am Herz des Autos rumbasteln!

Leider schlug das Wetter wieder um und es begann wieder zu Regnen – als wir den Anfang des Yol-Valley, der Geierschlucht erreichten, schüttete es in Strömen. Zuvor besichtigten wir noch ein kleines Museum, das seinen kommunistischen Stil nicht leugnen konnte, des weiteren hatte hier bestimmt niemand mehr seit Jahren in irgendeiner Weise Hand angelegt. Manche der Exponate machten bereits den Eindruck als würden sie nicht mehr allzu lange halten.

Die Geierschlucht ist ein sehr imposantes Gebilde. Zwischen hohen Felswänden fließt ein kleiner Fluss, der bei genügend Wasser richtig anschwellen kann. Die Gegend wirkte für eine Wüste wieder völlig untypisch – grün und voller Leben, es wirkte wie in den Bergen daheim. Roberts Herz schlug höher, er hatte ein perfektes Klettergebiet gefunden und träumte schon davon mit seiner ganzen Ausrüstung hier her zu reisen um die Felswände zu bezwingen. Die Italiener und wir waren für den Ausflug in die Schlucht bestens ausgestattet: Regengewand und feste Schuhe, die Amerikaner hingegen sehr dürftig, sie wollten die Klamm mit FlipFlops erzwingen – da dies ein Ding der Unmöglichkeit war, wollten sie recht bald umkehren! Gesagt, getan – der Guide der Italiener führte den verbliebenen Rest weiter.

Als wir zurückkamen begann es bereits dunkel zu werden, die Sicht war schlecht – zum Teil wetterbedingt – wir kamen nur noch recht langsam voran. Kurz bevor wir das Nachtquartier erreichten, hatte unser Bus eine Panne. Er wollte eine steile Wiese hoch fahren, doch der Motor verreckte auf der Strecke, wir rollten den Hang wieder hinunter, doch anstatt einfach nach hinten auszurollen, schlug der Fahrer Richtung Hang ein, was den Bus beinahe zum Kippen brachte.

Der Motor wollte nicht mehr anspringen, selbst die Handkurbel richtete nicht viel aus, außer, dass Ekke (der Fahrer) beim Herumstochern, einen Flügel des Kühlerlüfters verborg und es verdammt laut im Auto wurde. Der Fahrer des zweiten Busses kam zu Hilfe – einzige Chance mit einer anderen Batterie starten – unserer fehlte der Saft! Eine Autobatterie ist immer am Minuspol mit der Masse verbunden, die Masse bildete in unserem Fall der Rest einer abgesägten Gurtaufhängung! Die Batterie war an wichtigen Stellen korrodiert – sie konnte nie richtig aufgeladen werden, wahrscheinlich war sie auch schon alt und verbraucht! Mit viel Glück brachten sie den Motor wieder zum Laufen und bauten nach erfolgreichem Start die Ersatzbatterie wieder aus – es ging Richtung Ger-Camp.

Unseren Schlafplatz erreichten wir um etwa halb zehn am Abend, wir waren alle ziemlich geschafft, es war kalt und windig. Der Wind wurde in der Nacht zu einem Sturm, es schien als würde man samt Jurte weggeblasen werden. Es war sehr laut und wir dadurch konnten kaum schlafen.

Irgendwann in der Nacht reichte es mir, ich packte meinen Biwaksack aus und bettete ihn über den Schlafsack – dadurch wurde es ein wenig wärmer, lieber hätte ich mich an Jakob rangekuschelt, aber das war ja leider nicht möglich!

11. Tag

11. Tag: Der nächste Tag (23.8.2007) überraschte uns mit Sonneschein – einziger Nachteil: es war jetzt richtig eisig kalt und es stürmte noch immer! Entgegen die Windrichtung kam man kaum vorwärts, dennoch galt es bewaffnet mit Klopapier, Regen- und Windhose, Windjacke und einer Haube ein Plätzchen für das allmorgendliche Geschäft zu finden, eine Sache die sich als überaus schwierig erweisen kann! Es galt die Devise: immer nur mit dem Wind pinkeln, ansonsten gibt es böse Überraschungen – ja, in der Wildnis muss man so einiges beachten.

Das Ger-Camp verfügte einerseits über Jurten mit betonierten Fundamenten und andererseits über kleine beheizbare Häuschen für den Winter. Es war alles neu und sehr gepflegt, aber was dem kleinen Paradies noch fehlte, waren normale Toiletten und eine Möglichkeit zum Waschen.

Ekke hatte in der Nacht und am frühen Morgen noch fleißig repariert, nach dem Frühstück war unser Uaz-Bus wieder startklar und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Das heutige Ziel war die Sanddüne Khongor Els, eine 100km lange und an ihrer höchsten Stelle 200m hohe Düne. Ich glaube, die Khongor Sanddüne ist sogar die einzige ihrer Art in diesem Teil der Gobi! Wir waren alle schon sehr gespannt und fieberten dem Nachmittag entgegen, aber es stand uns noch eine lange Reise mit dem Auto bevor, die uns nur noch 300km von der chinesischen Grenze trennte.

Der Vormittag verstrich ohne spektakuläre Zwischenfälle, wir rumpelten mal mehr, mal weniger sanft über die Pisten der Gobi und waren fasziniert von der Landschaft, mit den beiden Amerikanern konnte man sich immer wieder ganz nett unterhalten und man wurde Stunde um Stunde mit der gleichen Musik berieselt – Jakob träumte schon von mongolischen Volksliedern.

Lunch gab es diesmal in einem kleinem Dorf – irgendwo im nirgendwo. Als Restaurant diente das Gästezimmer des örtlichen „Hotels“. Es sah nicht besonders einladend aus, es war ziemlich vergammelt: die Einrichtung bestand aus Möbeln, die schon einmal bessere Zeiten gesehen hatten und die Elektroinstallationen berührte man lieber nicht – Lebensgefahr! Zum Essen gab es Nudeln mit Glasnudeln und Fleisch, zum Trinken natürlich gesalzenen Milchtee. Pino, der Italiener, meldete sich mit dem Kommentar – es ginge ihm nicht gut - vom Essen ab und ging lieber die Stadt erkunden.

Glasnudeln sind sehr zäh und haben mir nicht besonders gut geschmeckt, es scheint so als würde man Gummi kauen! Der Rest der Mahlzeit war einigermaßen genießbar, ein Umstand, der nicht gerade selbstverständlich war.

Auch wir drei erkundeten noch ein wenig die Stadt: es machte den Anschein, als würde man beginnen eine Kanalisation zu bauen, Heizkörperlamellen wurden als Zäune verwendet – ja man entdeckt einige kuriose Sachen.

Die Mongolen schaffen es wirklich aus allem etwas zu basteln, was wir schon längst weggeworfen hätten, aber Materialien sind rar und teuer und Not macht bekanntlich erfinderisch.

Am späteren Nachmittag erreichten wir endlich unser Quartier nahe der Sanddüne – eine Familie stellte Gästen des Khongor Guesthouses Jurten zur Verfügung. Das Ger war einigermaßen nett eingerichtet und halbwegs sauber – für mongolische Verhältnisse! Mit dem Wetter hatten wir diesmal Glück: es schien die Sonne und es war warm (eine Ausnahme!). Nachdem wir uns kurz in der Jurte eingerichtet hatten, beschlossen wir die Gunst der Stunde zu nutzen und uns Richtung Sanddüne aufzumachen.

Entfernungen können täuschen – wirkte die Düne zum greifen nahe, mussten wir doch länger als eine halbe Stunde hinlaufen! Die Landschaft ist traumhaft, aber doch kurios: im Hintergrund die Düne, davor grüne Wiese und ein Bach! Genau dieser Bach machte bei seiner Überquerung Schwierigkeiten, denn immer hatten sich zwischen den kleinen Flussarmen morastige Stellen gebildet, wo man leicht ausrutschen konnte.

Den Anblick der Sanddüne zu beschreiben, wenn das Sonnenlicht über die einzelnen Wellen streift, ist fast nicht möglich – es ist einfach einzigartig. Es ist, als befinde man sich in einer Universum-Sendung – unbeschreiblich!

Jakob und ich kletterten die Sanddüne etwa bis zur Hälfte hoch – Robert meinte, wie hätten uns genau die gefährlichste Stelle ausgesucht – einen Überhang, passiert ist Gott sei Dank nichts, der Überhang war für uns auch nicht wirklich zu erkennen.

Am Grad der Düne wanderte ein Mongole entlang und sang ein Volkslied, welches der Wind direkt zu uns trug – wie im Film! Doch irgendwann mussten wir wieder ins Camp zurück – leider, es war gerade so schön.

In der Zwischenzeit hatte ein Laster Matratzen für eine weitere Gästejurte abgeladen, die Kinder hatten ihre helle Freude damit. Das neue Spielzeug war vielfältig, man konnte darauf hüpfen, einen Turm bauen und hinunter springen, mit dem Rad über den Matratzenberg fahren und vieles mehr.

Jakob schenkte den Kindern jeweils einen Lutscher, dem Kleinsten verbot die große Schwester aber ihn zu essen, wahrscheinlich wollte sie die Schleckerei selbst haben.

Die Ziegen waren wie immer neugierig und wir mussten unser Essen verteidigen. Überhaupt führten die vielen Tiere in der Nähe der Jurten zu einem Geruchsproblem: es stank nach Ziegen, Kamelen und sonstigem Getier – wahrscheinlich auch nach dem Plumpsklo und in der Jurte selbst nach gesalzenem Milchtee.

Zum Glück nimmt man dies nach einer geraumen Zeit nicht mehr wahr!

Jakob und ich machten vor dem Schlafen gehen noch einen kleinen Spaziergang – sehr romantisch! Robert tratschte inzwischen mit den Amerikanern und den Italienern. Die Fahrer reparierten mal wieder essentielle Teile am Auto - bei unserem Bus stimmte wohl etwas mit dem Auspuff nicht.

Wir konnten die Kinder, keines davon älter als 5 Jahre, beobachten als sie mit kleinen Steinchen werfend die Kamele in eine Koppel trieben – in Europa wäre so etwas heutzutage unvorstellbar.

In der Nacht herrschte nahezu unbemerkt reges Treiben in unserer Jurte…

12. Tag

12. Tag: Jakob erlebte am Morgen (23.8.2007) eine große Überraschung: er hatte seine Brille auf den Jurtenboden gelegt – Brillenbügel waren mit Kautschuk überzogen, auch die Nasenplättchen bestanden aus einem weichen Material – fatal, denn es war ein gefundenes Fressen für Mäuse. Diese ramponierten den Bügelüberzug und die Nasenfüßchen verschmausten sie vollständig! Auch seine Uhr (Plastikarmband) wies mehrere Bissspuren auf! Dummerweise hatten wir auch Brot am Fußboden liegen gelassen, es fiel ebenfalls den Nagern zum Opfer.

Die Italiener hatten im Gegensatz zu uns nur eine 6 Tagestour gebucht und wollten nächsten Tag bereits wieder in Ulaan Baator sein, ihr Bus war am öftesten kaputt und sollte auch weiterhin die größten Schwierigkeiten bereiten.

Wir mussten bereits wenige Kilometer nach dem Start wieder anhalten, weil der Italienerbus wieder Macken hatte, obwohl die Fahrer ihn am Vorabend und am Morgen repariert hatten. Der Stopp war kurz, ein prüfender Blick, ein paar geübte Handgriffe, das Problem schien gelöst zu sein. Doch etwa 20 km vor der nächsten Stadt passierte das Unglück, plötzlich stand der Bus still, rührte sich keinen cm mehr – auf der wilden Strecke wurde das Getriebe angesprengt und ein großes Teil war weg gebrochen, das Öl rann aus, der Bus musste abgeschleppt werden.

Schnell war an unserem Vehikel ein Abschleppseil befestigt und die Fahrt ging im gleichen Tempo (normale Geschwindigkeit sind etwa 30 – 60 km/h) weiter. Uns wurde bei diesem Unterfangen mulmig, der Bus knarrte und quietschte an allen Ecken und Enden, wir hatten Angst, dass auch unser Auto noch verrecken würde!

Gott sei Dank schafften wir es ohne weiteren Zwischenfall in die Stadt – Aufenthalt von unbekannter Dauer. Die Fahrer versuchten ihr Bestes ein Ersatzgetriebe aufzutreiben, wir konnten uns inzwischen die Zeit selbst vertreiben.

In der Ortsmitte gab es eine „Shopping-Mall“, das Haus wirkte äußerlich schon wie eine einzige Bruchbude, im Inneren war es nicht viel besser. Ein langer Gang, links und rechts viele kleine Zimmer, die jeweils ein Geschäft beherbergten. Dort gab es nahezu alles zu kaufen was ein Mongole so braucht: zb Omo-Waschmittel, in Überfluss bunte Zuckerl, Cola, Snickers, Mars und vieles mehr an süßem Zeug. Robert erstand eine Packung Toffifee. Wahrscheinlich verrechneten uns die emsigen Ladenbetreiber das Doppelte für ihre Produkte, dennoch war es für uns noch immer billig.

Der Gang des Einkaufszentrums war ein Erlebnis für sich: der Boden war kaputt und zum Teil nicht mehr vorhanden, ein Wandstück wurde irgendwann einmal angepinkelt – der große Fleck war noch immer zu sehen. Kurz gesagt es war verdammt dreckig, aber niemand störte sich daran.

Der Fleischer lagerte sein Fleisch offen auf Pappkartonplatten, natürlich ohne Kühlung, umkreist von Fliegen aus den umliegenden Plumpsklos.

Doch in der Stadt gab es noch weitaus mehr zu entdecken – vor einem Haus war ein Billard-Tisch aufgebaut, der einen großen Anziehungspunkt für die jungen Leute darstellte. Eine Familie führte ihre Jurte samt Ofenrohr mit ihrem Uaz-Jeep spazieren und ein Hausbesitzer hatte einen alten Heizkörper als Fußabstreifer vor seiner Eingangstür eingegraben. Ein anderer wiederum hatte seinen Uaz-Jeep fast komplett zerlegt – wohl zum Mongolizen!

Mittagessen gab es in einer Fastfood-Jurte. Kredenzt wurden uns Kushuu (kannten wir bereits vom ersten Trip: frittierte Teigtaschen gefüllt mit Fleisch). Die beiden Damen, die für uns kochten, drehten das Fleisch aber zuerst durch einen Fleischwolf, so dass es gar nicht mal so schlecht schmeckte!

Von den hygienischen Bedingungen sollte man lieber nicht sprechen, der Hammelhaxen hing ungekühlt neben Jakobs Sitzplatz…

Getriebe konnte keines organisiert werden - für uns ging die Reise am späteren Nachmittag weiter, die Italiener mussten auf ihren Ersatzwagen warten. Nächstes Ziel war die Ruine des Kloster Ongi-Khiid. Einstens beherbergte die Anlage 4 buddhistische Universitäten und erstreckte sich über ein großes Gebiet – heute ist außer Mauerresten nicht mehr viel übrig. Die Zerstörung begann, als die Kommunisten an die Macht kamen und sich der Elite des Landes entledigen wollten.

Heute will man das Kloster wieder reaktivieren und so wurde ein Tempel wieder aufgebaut.

Das Ger-Camp in dem wir übernachteten war sehr gepflegt, die Böden waren betoniert, die Betten sauber. Jakob hatte aber genug von Jurten und so schliefen wir beide in unserem Zelt - es war der erste Tag seit dem Aufbruch in Ulaan Baator wo es mal wieder frische Unterwäsche gab, zuvor gab es keine Möglichkeit sich umzuziehen – außer man wollte dabei Gesellschaft haben.

Zum Essen wünschten wir uns Ravioli mit Bohnen aus der Dose – Proviant, welchen wir in UB gekauft hatten, in diesem Moment schien es uns, als hätten wir seit einer Ewigkeit nicht mehr so etwas gutes gegessen.

In unmittelbarer Nähe befand sich ein Luxus-Ger-Camp mit Sauna, Duschen und normalen WCs. Besonders die Toiletten waren eine echte Erleichterung und das einzige was wir wirklich brauchten!

Die Italiener trafen am späten Abend im Camp ein – nach einer abenteuerlichen Fahrt mit dem Ersatzauto erreichten sie dennoch das Ziel.

13. Tag

13. Tag: In der Früh (24.8.2007) besichtigen wir noch einmal die Ruinen von Ongi-Khiid – diesmal im Tageslicht. Danach brachen wir auf Richtung Erdenedalai.

Die Gegend um die Ruinen war wunderschön und lud zum Verweilen ein, doch im Bus teilte uns unsere Führerin plötzlich mit, dass wir bereits um 15 Uhr in Erdenedalei sein würden und erst nächsten Tag weiterfahren würden – Schock! Die Stadt ist dreckig und nicht gerade ein Ort wo man länger bleiben möchte! Wir baten unseren Guide, die Reise nach dem Essen fortzusetzen, da wir unter keinen Umständen in der Stadt bleiben wollten – doch wir hatten nicht mit den Amerikanern gerechnet…Sie wollten nicht zu früh in Ulaan Baator zurück sein, da sie vor der Reise bereits 5 Wochen dort verbracht haben – so ganz wurde uns nicht klar, was man 5 Wochen in dieser Stadt machen wollte. In gewissen Dingen waren die Amis für uns ein Rätsel.

Wir besuchten wieder das gleiche Restaurant wie am Hinweg, diesmal fand Robert ein Haar in seinem Essen – ich möchte nicht wissen, wie die in der Küche arbeiten! Die Diskussion Weiterfahren oder Bleiben brach von Neuem los, die Amerikaner wollten nicht Campen, aber auch nicht in der Stadt bleiben, Ger-Camp lag anscheinend keines am Weg – was tun? Improvisation war gefragt!

Ich erzählte den Amis, dass ich noch nie in meinem Leben campen war und Jakob mir immer SMS während der Rallye geschickt hat, wo er von seinen Camping-Erlebnissen erzählte: gemütlich um das Lagerfeuer sitzen, die Natur genießen, in der Pampa schlafen und ich das auch einmal erleben wollte und das genau so etwas das Highlight meines Urlaubes sein sollte – ich war damit sehr überzeugend, denn die beiden ließen sich zu einer Weiterfahrt überreden – Gott sei Dank!

Bevor wir wirklich weiterfahren konnten, mussten wir noch tanken. Die Tankstelle war ein Kuriosum für europäische Verhältnisse: der Tank war einfach im Boden versenkt, aber nicht abgedeckt, die Benzinpumpe wurde von einem Automotor betrieben und falls dieser den Geist aufgab, stand ein Ersatz bereit.

Die Weiterfahrt hatte sich wirklich gelohnt! Wir schlugen unser Nachtlager in einem Nationalpark mit einer atemberaubenden Landschaft auf! Neben dem ausgetrockneten Flussbett standen viele Bäume und somit fanden wir auch reichlich Feuerholz. Einzig und allein die Amis hatten einen sonderbaren Begriff von Feuerholz sammeln – sie rissen einen halben Baum aus – frisches Holz brennt doch schlecht!?

Nach den Vorbereitungen für das Lagerfeuer gingen wir die Gegend erkunden. Robert versuchte einen Felsen zu erklimmen, Jakob und ich ebenfalls. Wir zwei entdeckten einen

Felsen, welcher aus Kiesgestein bestand. Hier hatten wir mit unseren Turnschuhen guten Halt und konnten ziemlich weit nach oben klettern – auf den Fotos sieht es steiler aus als es war! Von oben hatten wir einer super Ausblick über die Umgebung und auf unser kleines Lager. Erst nächsten Tag bemerkte ich, dass ich bei der Kletterei meine Hose kaputt gemacht hatte, aber das gehört einfach zu so einem Abenteuer dazu.

Wir saßen lange um das Lagerfeuer herum – ein gemütlicher Abend! Auch den Amerikanern schien es zu gefallen, selbst wenn sie es nicht zugeben konnten. Robert war wieder unser Feuermeister – er ist wirklich ein fantastischer „Feuerlheizer“!

14. Tag

14. Tag: Schon die Woche vorbei und unser letzter Tag der Gobi Reise angebrochen. Nach einem ausgiebigen Frühstück erzwang Robert mit Ekke einen nahe gelegenen Berg samt Adlerhorst, Jakob und ich spazierten in das weite Tal hinein.

Dabei entdeckten wir mehrere Pferdeschädel und ein noch nicht ganz skelettiertes Pferd – nur der Schädel fehlte. Im trocknen Flussbett lag ein erst kürzlich verstorbener Hund, der wirklich eklig aussah!

Weiters trafen wir einen Hirten, der gerade seine Ziegenherde vorwärts trieb und beobachteten dabei einen Kampf zwischen zwei Ziegenböcken.

Ein wirklich gelungener Vormittag! Zu Mittag machten wir noch einen Stopp im Gobi-Inn (vom ersten Tag), danach ging es weiter nach Ulaan Baator, wenn auch unser Bus sehr lädiert in der Stadt ankam – es funktionierte nur noch die Handbremse, wenn auch mehr schlecht als recht! Ein Bremszylinder war kaputt und konnte nimmer „mongolized“ werden!

Diesmal waren wir nicht direkt im Ghuesthouse untergebracht, sondern in einem Appartement einen Block weiter – eigentlich war es die Wohnung von jemanden! Darin war vieles, wie eigentlich überall, mongolized. Teppiche und Einrichtungen waren altmodisch und abgewohnt, aber es gab viel heißes Wasser – endlich Duschen, nach einer Woche! Jeder von uns stand mindestens eine halbe Stunde unter der Brause und hat sich doppelt und dreifach gewaschen um endlich wieder das Gefühl zu haben sauber zu sein.

Am Abend machten wir das Departement Store (ein riesiges Kaufhaus, wo es alles gibt, was man sich vorstellen kann) unsicher – Jakob entdeckte dort ferngesteuerte Autos, später erzählte er uns, dass er die kleinen Vehikel schon länger im Auge gehabt hatte (er war ja schon einmal vor unserer Ankunft im Geschäft). Ohne das Spielzeug konnten wir einfach nicht gehen: Jakob kaufte einen Land Rover Defender, Robert ein Rallye-Auto und ich einen Mini! Danach ging es noch zum North-Face Shop, wo wir uns mit Jacken eindeckten. Eine Jacke kostete umgerechnet 25 Euro.

Der Abend fand seinen Ausklang in der Pizzeria „Marco Polo“ – endlich mal wieder ein gutes Essen! Kein Reis, keine Nudeln!

Das Bett im Appartement war nicht so der Renner, es war zu kurz und hart, dies führte zu Verspannungen.

15. Tag

15. Tag: Den Abschluss bildete ein Ausflug in den Terelje Nationalpark (27.8.2007). Noch einmal gönnten wir uns ein Frühstück bei „Chez Bernard“ – Croissants gab es diesmal aber auch nicht.

Auf der Tour wurden wir vom italienischen Pärchen begleitet, welches wir bereits aus der Wüste Gobi kannten. Terelje liegt nur 80km außerhalb von Ulaan Baator und kann locker an einem Tag bewältigt werden.

Es ist das einzige touristisch wirklich erschlossene Gebiet der Mongolei auf das wir gestoßen sind! Eine wunderschöne Almenlandschaft, die leider völlig zu gebaut wird, überall wachsen Ger-Camps und Ferienhäuser aus dem Boden, oftmals handelt es sich um Bauwerke, die überhaupt nicht in die Landschaft passen, weder bezüglich Baustil noch Farbgebung. Ruhe und Idylle kann man hier nicht mehr genießen!

Hauptsehenswürdigkeiten sind der Turtle-Rock, ein Felsen, der aussieht wie eine Schildkröte und ein komplett renoviertes Kloster. Es handelt sich hierbei um eines der wenigen buddhistischen Klöster, die nicht während der kommunistischen Herrschaft zerstört wurden. Der Tempel ist verziert mit Landschaftsmotiven quer aus der Mongolei, aber auch mit Abbildern aus der heißen und kalten Hölle – viele grausige Szenen: Menschen, die von Hunden angeknabbert werden, abgerissene Extremitäten und vieles mehr.

Im Inneren befindet sich ein großer goldener Buddha, der reich mit Blumengirlanden geschmückt ist. In kleinen Schalen vor dem Heiligtum finden sich unzählige Süßigkeiten, die von den Gläubigen als Geschenk an Buddha gegeben werden.

Auch bei diesem Ausflug war ein Lunch inbegriffen, bekocht wurden wir von einer mongolischen Familie, im Gegensatz zu unseren anderen Gastgebern hatten diese schon viel mit westlichen Touristen zu tun und hatten sich mit ihrer Küche dementsprechend darauf eingestellt.

Die Jurte war sehr sauber und mit einem Großbildfernseher ausgestattet, auf dem gerade ein amerikanischer Film flimmerte. Hier wurden wir das erste mal nicht mit gesalzenem Milchtee empfangen, sondern konnten zwischen Ziegenmilch oder Tee auswählen – nichts davon war gesalzen!

In einer kleinen roten Schale wurde uns eine Mischung aus Topfen und Käse serviert, der Anblick täuschte, denn es schmeckte gut. Trotzdem trauten wir uns erst davon zu essen, als die Italiener vorgekostet hatten. Überhaupt war es das erste Mal, dass wir von einer mongolischen Familie wirklich gut bekocht wurden und essbares Fleisch verwendet wurde.

Laut Programm wäre nach dem Mittagessen Pferdereiten an der Reihe gewesen, doch niemand von uns wollte und es gelang uns den Fahrer zu überreden mit uns nach Ulaan Baator zurückzufahren.

Etwa um 16 Uhr waren wir wieder zurück in unserem Appartement, nun ging es ans Packen – gar nicht einmal so leicht seine ganzen Sachen in einem Rucksack zu verpacken. Immerhin hatten wir ja auch fleißig eingekauft: Jacken im North-Face-Shop und ferngesteuerte Autos im Departement-Store: Jakob einen Land Rover Defender, Robert ein Rallye Auto und ich einen Mini!

Jakob wird den Ruf wohl nie loswerden, einen Faible für kaputte Autos zu haben – denn sein Defender funktionierte nicht und er musste ihn noch umtauschen, was Gott sei Dank auch ohne Probleme ging.

Im Guesthouse hing ein Plakat mit der Bitte Dinge, die man nicht mehr braucht der „Christina Noble Children Foundation“ zu spenden, hier bei handelt es sich um eine Organisation, die auch von der „Mongol Rallye“ unterstützt wird.

Eine Kiste war schnell zusammengepackt, doch zu unserem erstaunen, konnten wir die Zentrale des Hilfswerks nicht finden, nach etwa eineinhalb Stunden suchen gaben wir auf und schenkten die Sachen, vor allem Medikamente und Kosmetikartikel (Duschgel, Haarshampoo usw), dem Guesthouse mit der Bitte es weiterzugeben.

Zum Abschluss gingen wir noch mexikanisch Essen - ein wirklich tolles Restaurant mit empfehlenswerter Küche! Eine Platte mit allem drum und dran kostete für 3 Personen umgerechnet etwa 15 Euro!

Leider hatte es inzwischen zu gewittern angefangen, dies hielt uns aber nicht davon ab, am letzten Abend noch ein bisschen in der Stadt auszugehen, selbst, wenn wir dafür durch den Regen laufen mussten. Ziel war ein modernes irisches Pub, welches wir schon früher einmal entdeckt hatten. Es gab Live-Musik, eine coole Stimmung, viele Einheimische, und auch Touristen. Zudem war es auch sehr billig: 1 Bier, 1 Fanta und 1 Tee kosteten zusammen etwa 3 Euro.

Die Nacht sollte kurz werden, nur vier Stunden schlaf, dann hieß es Aufbruch zum Flughafen.

16. Tag

16. Tag: Pünktlich um 5 Uhr morgens (28.8.2007) stand der Fahrer vor unserem Appartement um uns zum Flughafen zu bringen. Der Urlaub war vorüber und eine wirklich anstrengende Heimreise nahm ihren Anfang.

Der Flieger nach Moskau startete um 7:45 Uhr am Flughafen Dschingis Khan und der Tag begann mit einem Mittagessen alla Aeroflot! Es sah scheußlich aus und schmeckte auch so! Wahrscheinlich hätte es Saftfleisch mit Spaghetti-Nudeln als Beilage sein sollen, doch das Fleisch war zäh und nur Jakob brachte genug Mut auf es wirklich zu essen.

Robert genoss inzwischen die Business Class – dort gab es Lachs und andere Köstlichkeiten!

Die Nachspeise in der Economy-Class waren Kasachische Schokoriegel: einer mit Schokoladefüllung, der andere mit Erdbeerfüllung – Unterschied konnte man aber keinen erkennen.

Nach 6h Flug landeten wir in Moskau – 10h Wartezeit standen uns bevor. Eine Stunde brauchten wir schon dafür überhaupt in den Transitbereich des Flughafens einreisen zu können und unsere Boarding-Card für den Weiterflug zu erhalten. Zum Glück gab es auch in diesem Bereich WCs, denn nach so einem langen Flug konnte man schon mal ganz dringend müssen.

Nachdem wir es endlich geschafft hatten, nahm Jakob mal die VIP-Lounge unter die Lupe, Robert und ich suchten uns ein normales Restaurant. Ja, der Moskauer Flughafen ist ein teures Pflaster, denn ein Pago mit Frankfurter Würstel und Gepäck kann da schon mal 13 Dollar kosten, selbst wenn es sich um eine Mini-Ausführung dieser Delikatesse handelt. Weiters kostet ein kleines, warmes Croissant vor Fett triefend 3,50 Euro.

Für den restlichen Aufenthalt suchten wir uns ein mehr oder weniger ruhiges Plätzchen, wo wir uns auf Roberts High-Tech-Isomatte (eine ganz flache, sich selbst aufblasende Isoliermatte) hinsetzen konnten. Dabei trafen wir auf einem Mann, der anscheinend im Transitbereich des Flughafens lebte, denn als Robert und ich nach Ulaan Baator reisten, hatte diese Person ihre Lager auch schon an diesem Platz aufgeschlagen und las Zeitung – er erinnerte uns irgendwie an den Film Terminal mit Tom Hanks. Kaum zu glauben, dass es so etwas wirklich gibt!

Je länger wir im Transitbereich waren, desto schleppender verging die Zeit. Irgendwann hatten wir alle Duty-Free-Shops durch, welche sowieso alle das gleiche führen und verdammt teuer sind – Zeitung wollten wir uns nicht leisten: deutsche oder englische Ausgaben kosten um die 8 Euro und mehr – und viel andere Sachen konnte man nicht machen.

Aber wir hatten ja noch unsere ferngesteuerten Autos: diese wurden nun ausgepackt und gestartet. Nach ein paar Runden regte sich aber eine Italienerin darüber heftig auf, weil sie angeblich versuchen würde zu schlafen und sie der „Lärm“ der Autos stören würde, auch sollten wir nicht so kindisch sein! Kurios, denn anscheinend hinderten die lauten Ansagen, die alle 5 Minuten durch die Lautsprecher dröhnten nicht an ihrem Schönheitsschlaf.

Obwohl der Airport in Ulaan Baator nicht sehr groß ist, ist er sehr sauber und verfügt über funktionierende WCs, die auch allesamt mit Klopapier ausgestattet sind. Ein Luxus, den man sich in Moskau nicht erwarten kann. Das Gebäude ist generell sehr schmuddelig und die Toiletten werden nicht regelmäßig geputzt, an Klopapier braucht man gar nicht zu denken.

So grausig das Essen in der Mongolei zum Teil auch war, hatten wir nie Probleme mit Magen und Darm. Was also das mongolische Essen nicht schaffte, erledigte das Catering der Aeroflot – Jakob und ich fühlten uns nicht mehr besonders wohl.

Wie die letzten zwei oder drei Stunden der Warterei verlaufen sind, weiß ich leider nicht, da ich tief und fest eingeschlafen hatte und abwechselnd samt Gepäck von Robert und Jakob bewacht wurde.

Um 20 Uhr Ortszeit ging es weiter, das Boarding hatte begonnen – wieder die gleiche Prozedur wie beim Hinflug. Der Flug von Moskau bis Wien war sehr angenehm, aber wir waren restlos erschöpft und den ganzen Flug einfach verschlafen. In Wien wurden wir von meinem Onkel schon erwartet, Gott sei Dank mussten wir auch auf das Gepäck nicht lange warten, weil die Maschine kaum ausgelastet war.

Um 1 Uhr Nachts fielen wir müde in Langenzersdorf in die Betten und nächsten Morgen ging es weiter nach Graz.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Bericht jedem Leser einen guten Eindruck in unsere Mongolei-Reise vermitteln. Für uns war die Reise ein richtiges Abenteuer, eines was wir jederzeit wiederholen würden.

Dennoch handelt es sich hierbei um eine Reise, die gut vorbereitet und geplant sein sollte: Impfungen (z.B. Tollwut) müssen vorgenommen werden und die nötige Ausrüstung muss besorgt werden. Auch sollte von vornherein klar sein, dass man in einem Land wie der Mongolei auf vieles verzichten muss, was in Europa selbstverständlich ist, daher sollte sich jemand, der recht zimperlich ist, ein solches Unternehmen gut überlegen oder von vornherein die Luxusvariante buchen!

Weiters muss man sich daran gewöhnen, dass Schmatzen in solchen Ländern zur Tischsitte gehört.

Kosten der Reise: das teuerste war mit Abstand der Flug (1200 Euro, davon aber 100 Euro Umbuchungszuschlag), Hotel und Touren kamen auf 400 Dollar, Brauchgeld 700 Dollar, das sind etwa 535 Euro, kommt man auf etwa 2100 Euro. Weiters ist auch zu bedenken, dass Impfungen und Ausrüstung auch nicht gratis sind und man auf gutes Equipment angewiesen ist!

Was nicht stimmte: Im Reiseführer war häufig zu lesen, dass man die Gebräuche der Mongolen einhalten müsste, da sie sonst beleidigt wären – unser Eindruck war, die Menschen sind Touristen gewohnt und wissen auch, dass denen nicht alles bekannt ist. Auch ist niemand böse, wenn man etwas nicht trinken oder essen möchte, sofern man sich höflich ausdrückt.

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